"Klöüsegong" in Burgberg

Mittwoch, 05. Dezember 2012
Donnerstag, 06. Dezember 2012
Start nach dem Anschießen der Böllerschützen ab 19 Uhr

Anfang Dezember sind im Allgäu die Klausen los, die in furchterregenden Fellgewändern und dem Schellen großer Kuhglocken böse Wintergeister vertreiben sollen. Zuschauer des Spektakels müssen damit rechnen, einen Hieb mit der Weidenrute abzubekommen oder aber zur Bußübung verdonnert zu werden. Doch wer verbirgt sich hinter den Fellmasken? Wie wird man ein „Klöüs“ und was muss zum „Klöüsegong“ organisiert werden?

Das erzählt uns der Oberklaus von Burgberg, Roland Zeller.

Burgberg ist ein typisches Allgäuer Dorf mit Tradition, alten Geschichten und fest in ihrer Heimat verwurzelten Menschen. Kein Wunder, dass auch hier die Klausen zum Winterkult gehören, allerdings so „wie sich´s g´hört“, erklärt Zeller. Es gebe keine Absperrungen. Die Klausen laufen im ganzen Dorf umher. Und obwohl fast 60 Klausen unterwegs sind, geht es anständig zu. Keiner der Klausen müsse sich registrieren oder eine Nummer auf dem Häs tragen.

Wer darf mitmachen?

Klausentreiben ist Männersache. Schon immer. Mitmachen darf jeder Burgberger Bursche, der ledig und mindestens 16 Jahre alt ist. 58 Klausen werden am 5. und 6. Dezember durch Burgberg schellen. An Tag eins starten sie oberhalb der Kirche. Die Böllerschützen geben den Startschuss. Zuschauer werden dann zunächst weniger sehen, dafür umso mehr hören: das tiefe, gutturale Läuten von über fünfzig mächtigen Zugschellen. Diese gewaltigen Kuhglocken, die von den Rindern zum Alpabtrieb getragen werden, sind für das Klausenhäs unverzichtbar. Allein dieses Glockenorchester, das sich bei Nacht auf den winterlichen Straßen nähert, reicht für viele aus, um ein mulmiges Gefühl zu bekommen.

Rennen oder stehenbleiben

Wer die Klausen in ihren monströsen Fellverkleidungen auf sich zulaufen sieht, braucht gute Nerven. Dann heißt es wegrennen oder stehenbleiben. Wer ausharrt, muss mit einem Rutenhieb rechnen. Andere müssen Abbitte leisten. „Wir lassen dann beispielsweise das „Vater unser“ laut vorbeten“, erzählt Zeller. Besonders beliebt sei auch, die „Fehla“, die jungen Mädchen aus dem Dorf, singen zu lassen. Die Burgberger Klausen befolgen klare Regeln, erzählt Zeller. Bei Respektpersonen wie etwa älteren Leut´ werde nicht zugeschlagen. Und das Zuhauen sei für die Burgberger sowieso nicht das Wichtigste. Wenn man bis in die Nacht so richtig Krach gemacht hat und danach alle zum Einkehren gehen, sei es ein guter Tag gewesen, sagt Zeller.

Fell, Hörner, Schellen

Für das Gewand der Klausen, das „Häs“, gibt es in Burgberg ebenfalls Vorgaben. So muss jeder einen Hanf-Bart zum Fellhelm tragen. An die Rute aus Weidenholz darf nichts befestigt werden. Und kein Klaus soll dem anderen gleichen. Körper und Kopf bedecken Felle vom Schaf, Hirsch, Fuchs oder Dachs. Manch einer greift auch zum Kunsthaarfell. Denn mit Echtfell schwitze man ganz extrem, erklärt Zeller. Auch bei den Hörnern seien alle Varianten zugelassen vom Hirsch über die Gams bis zur Kuh. Die mächtigen, etwa sieben Kilo schweren Zugschellen leihen sich die Klausen von den Bauern im Ort.

Der „Klöüse Schronz“

Im Vorfeld gibt es mehrere Versammlungen, zu denen auch einige ältere Klausen erscheinen, die in ihren jungen Jahren das Brauchtum ausgeübt haben. Ausführlich werden dann die Häs- und Benimmregeln erklärt, sowie Uhrzeiten und Treffpunkte vereinbart. Die sind gerade für das „Klöüsespringe“ am 6. Dezember wichtig, an dem die Burgberger Klausen sternförmig aus dem Gemeindegebiet in das Dorfzentrum strömen. Am nächsten Tag ist schon wieder alles vorbei. Der Legende nach verschwinden die Burgberger Klausen dann im Grüntenmassiv. Wer von Burgberg auf das Burgberger Hörnle blickt, sieht etwa 100 Meter unterhalb des Gipfels einen Schatten, ein dunkles Loch, den „Klöüse Schronz“. Ob Legende oder nicht. Auch im nächsten Jahr werden die Klausen wieder durch Burgberg rumpeln.

Interessantes zu den Burgberger Klöüse

Eine Sage zu den “Burgberger Klöüse” können Sie hier nachlesen:

"Der letzte Rumpelklaus"

Bildergalerie

Viele eindrucksvolle Bilder der Burgberger Klöüse finden Sie in unserer Bildergalerie